Der Ponton und die Mäuse

Nein, nicht die, die man zerkleinert, wenn man einen restauriert. Auch nicht die zweibeinigen, die erst die Nase rümpfen wenn man den Schrott kauft und später dann eine starke Zuneigung zum restaurierten Objekt entwickeln. Und auch nicht dieses Teil welches es bei der Pontonentstehung noch gar nicht gab, die Computer-Maus. Es ist das Nagetier mit über 300 Unterarten gemeint, der kleinste Säuger der Welt. Der Tom und Jerry-Werbespot von Opel für den Corsa ist wohl noch jedem in Erinnerung. Aber würden Mäuse wirklich Opel fahren? Da bin ich ganz anderer Ansicht. Nach nun gut 20 Jahren hartnäckiger Pontonschrauberei lehrt die Erfahrung: In jedem Ponton lebt zumindest mal eine Maus! Das liegt wohl an den natürlichen Rohstoffen die man damals zur Dämmung des Schalls rund ums Armaturenbrett einsetzte. So sind die ganzen Pappeinlagen rückseitig mit Filz beklebt und der eignet sich wohl wie kein zweites Material zum Mäusenestbau. So musste ich erst wieder einem stolzen Ponton-Neubesitzer beim Mängel beseitigen mit auf die Rechnung schreiben: Mäusenest ausgebaut! Eine Frage beschäftigt mich dabei besonders: Wie kann eine Maus mit einer Nuß in der „Hand“ eigentlich ca. 20 cm hoch springen? Wie überwinden die Tiere die Einstiegsbarriere, sprich die Bodenfreiheit des Wagens mit Futter im Gepäck? Ich habe noch nie eine Maus mit Rucksack oder Leiter über der Schulter gesehen.... Also, lieber Ponton-Besitzer: Achte nach längerem Stehen des Fahrzeug beim Gebläse einschalten immer auf merkwürdige Geräusche, es könnte ein Mäusenest durchgequirlt werden. Wenn vorne die Fliegengitter fehlen, sitzen hier recht gerne die Nester der Nager. Auch aufgeknabberte Kanäle habe ich schon gefunden. Wenn dann schon Papierschnitzel in den Innenraum wehen und merkwürdige Modergerüche, dann können Sie sicher sein, dass Ihre Familienlimousine auch einer kompletten „Maus“-Familie Obdach gibt. Erst neulich blies ich den Rahmen eines französischen Pontons (20 Jahre Scheune) durch die Lüftungslöcher frei und sah mich mit einem Konfettiregen der durch den Kardantunnel geflogen kam, konfrontiert. Es war aber noch gar nicht Fasching! Beim studieren der Fetzen konnte ich feststellen, dass die Schnipsel aus einem französischen Lucky-Luke Comic stammten und auch ein Mäuseskelett dank der Pressluft seinen Weg ins Freie gefunden hatte. Weitere Schnipsel wiesen auf eine französische Lokalzeitung hin. Leider war kein Datum mehr zu erkennen, aber es waren sicher 20 Jahre alte Zeitungen. Mäuse lesen also auch gerne „Lucky-Luke“ und nicht „Tom und Jerry“ wie man meinen sollte. Vielleicht ist das für Mäuse auch wegen der Katze zu nervenaufreibend, gerade wenn die lieben Kleinen heranwachsen. Jedenfalls als gesicherte Erkenntnis gilt seitdem, dass auch der Rahmen des Pontons mäusefreundlich gestaltet ist und diese ihren Nestbau gerne mit allerlei Papier- und Plastiktütenschnipsel vervollkommnen. Einen weiteren Wagen zog ich nach über 20 Jahren aus der Scheune und fand darin 4 Mäuseskelette unter der Rücksitzbank. Immerhin waren die Nager so freundlich die Sitze außen unberührt zu lassen und sich nur etwas vom Innenfutter der Rücksitzbank zum Nestbau zu genehmigen. Scheinbar sind die Viecher dann gewachsen und haben nicht mehr durch den Spalt der in der ersten Schloßraste angelehnten hinteren Tür gepasst. Verzweifelte Nagespuren an dem Trittbrettgummi lassen diese These wahrscheinlich erscheinen. Aber auch in völlig verschlossenen Wagen, fand ich schon die Spuren der kleinen Pelzträger im Innenraum. Die passen scheinbar durch kleinste Ritzen! Pontonbesitzer, schaue Dir mal genau Deine hintere Sitzbank an! Das Wort Sitzbankfutter kommt nicht von ungefähr! Von der hinteren Sitzbank aus finden die Nager wohl auch gerne den Aufgang in den Himmel. Nicht den in den jeder mal eingeht, sondern den Dachhimmel. Dort gibt es zwar kaum was zu nagen, aber wahrscheinlich schickt die Mäuse-Mama die Mäusekinder hierhin zum Trampolinspringen und zum Austoben, damit sie unten mal in Ruhe Lucky-Luke lesen kann. Die vorderen (Liege-)sitze sucht die Maus hingegen, im Gegensatz zu so manchen frisch verliebten Pontonbesitzer, zum „mausen“ fast nie auf. Am verzwicktesten sind die Nester allerdings zu entfernen, wenn die Maus sich in unmittelbarer Nähe zum Dämmmaterial niedergelassen hat. Das ist dann der Bereich zwischen Batterie und Handschuhfach, an den man nur durch Ausbau der Motorhaube kommt. Hier sitzen meist symmetrisch rechts und links die Nester zwischen Lufteinlasskanal zum Seitenfenster und A-Säule und fahren schon jahrelang unbemerkt mit. Herrscht Langeweile im Mäusehaushalt werden die Kabel gerne ein bisschen der Isolierung beraubt. Speziell das Hauptstromkabel sei hier gleich erwähnt. Es ist beim Ponton das einzige ohne Kunststoffummantelung. Wenn also beim Regler schon ein ziemlich brüchiges Kabel sichtbar ist, dann ist es an diesen Stellen genauso verschlissen. Hauptsächlich wegen des Alters, nicht wegen der Mäuse. Und deswegen brennen Pontons ganz gerne! Dieses Kabel sollte jeder Ponton-Besitzer auswechseln, nicht nur dem Tierschutz zuliebe! Man sieht, die Armaturen-„Tafel“ ist für Mäuse reich gedeckt. Beim Hohlraumversiegeln kam ich dann völlig hinter das Geheimnis des Wohnraumangebotes für Mäuse im Ponton. Wenn Sie also mit dem Endoskop den Rahmen anschauen ist nicht auszuschließen, dass Sie in verängstigte Mäuseaugen blicken! Über den Kardantunnel, vom Getriebe aus, nach 50 cm links oder rechts, gibt es freien Zugang ins gesamte Rahmenlabyrinth des Pontons. Meist hat der Rost noch weitere Zugänge eröffnet, so dass die Nager absolut katzensicher und mit „Toilette“ (oder wozu sollen die Ablauflöcher im Rahmen sonst angebracht sein?) recht komfortabel hausen und manchmal im fahrenden Objekt auch was von der Welt sehen! Ja, auch das gibt es! In meinem Ponton, der nie lange steht, war auch ein Mäusenest „on tour“! Selbst in der neuen EKlasse meiner Eltern fand sich ein Nest. Hier hat sich die Maus allerdings selbst enttarnt, als sie just vor der Post zusammen mit meiner Mutter das Auto verließ! Sehr verdächtig ist es, wenn es beim Bremsen im Rahmen oder Armaturenbrett klappert. Das sind dann die eingeschleppten Nussschalen und andere Leckereien. Wie schon erwähnt, scheinen Mäuse selbst mit so einem im Verhältnis zur Körpergröße „Trumm“ noch immer mehr als Bergsteigerfähigkeiten zu haben. Reichlich leere Nussschalen finden sich bei einem von Mäusen auserkorenen Ponton immer! Nachdem bei einem Besuch in Nizza nachts beobachtet werden konnte, wie die Ratten in 5 Meter Höhe über die Stromseile ihren Weg fanden, sind allerdings alle Fragen beantwortet. Eine Spezies die Neuwagenbesitzer sehr zu schaffen macht, scheint den Ponton dagegen nicht zu mögen. Der Marder verschmäht meinen Wagen regelrecht! Während die Nachbarn schon die Preise für Achsmanschetten auswendig können, scheinen die alten, ölgetränkten Gummies des Pontons den Marder eher abzuschrecken oder die Mäuse dulden niemanden in Ihrem Hause. Vielleicht ist die Maus ja nicht nur Hausfrauen- sondern auch Marderschreck. Ganz tierliebe können ja jetzt auch noch den Motor gegen ein Hamsterrad tauschen......

(Quelle: Thomas Hanna)


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