Oldtimer als Geldanlage - Rendite auf Rädern

Oldtimer bringen nicht nur emotionale Gewinne. Wer in die richtigen Klassiker investiert, erfährt zudem ansehnliche Wertsteigerungen. Tipps und Tricks.
Bleiben Sie immer up to date und erhalten Sie die neusten Finanz-Nachrichten von FOCUS Online auch auf Facebook.und lesen Sie den Artikel weiter.Ich bin schon Fan⁄⁄Ich möchte Twitter-Follower werdenNein, ich möchte kein Facebook-Fan werden
Unter „Ferraristi“ ist der „250“ aus dem Jahr 1957 noch immer eines der schönsten Modelle der Scuderia Ferrari. Die mit viel Feingefühl und Augenmaß einst von Meister Sergio Scaglietti mit bloßem Hammer geschlagenen Aluminiumkotflügel des Ferrari beschreiben wundervolle, sinnliche Sinuskurven. Scagliettis Arbeitsweise war einzigartig: In seiner Carrozzeria hämmerte er das Aluminium der Karosserie nicht – wie damals üblich – über Holz, sondern auf Sandsäcke.

Und der Motor? Wie die Linienführung des Sportwagens mit dem „Cavallino rampante“, dem sich aufbäumenden Pferd, auf der Motorhaube, ein Traum. Scagliettis Freund Enzo Ferrari implantierte seinem heißen Eisen ein 3-Liter-Aggregat mit 300 Pferdestärken, was den Boliden auf den Rennparcours der Welt 270 Stundenkilometer schnell machte. Um den Motor für jeden als Renn-Motor zu kennzeichnen, trugen die Mechaniker Ferraris auf die Ventildeckel des „250“ roten Lack auf, was ihm zum Beinamen Testa Rossa (Rotkopf) verhalf.

Hammerpreise für begehrte Sammmlerstücke

Neben dem Testa Rossa stammen aus der Schmiede Scagliettis zwar auch rassige Ferraris wie der 375 Mille Miglia, den etwa Regisseur Roberto Rossellini in einer Sonderanfertigung seiner Frau, der Hollywood-Diva Ingrid Bergman, schenkte. Der 250 Testa Rossa aber ist und bleibt etwas ganz Besonderes. Warum? Für keinen Ferrari wurde auf der Welt bislang bei einer Auktion so viel Geld auf den Tisch gelegt wie für diesen: Im August 2011 sicherte sich ein anonymer Sammler auf der Oldtimer-Auktion im kalifornischen Pebble Beach den 250 Testa Rossa für schwindelerregende 16,39 Millionen Dollar. Damit ist der Italiener hinter dem Bugatti Type 57SC Atlantic bislang das zweitteuerste historische Auto der Welt. Denn: Millionär Peter Mullin ersteigerte die „Mona Lisa“ der Autowelt 2010 für die gigantische Summe von rund 30 Millionen Dollar.

Historische Leckerbissen wie der Ferrari 250 Testa Rossa entzücken ihre betuchten Eigentümer heute nicht nur mit hohen emotionalen Renditen. Denn der sportliche Oldie bringt überdurchschnittliche Wertentwicklungen mit sich. So wurde der letzte 250 Testa Rossa, Baujahr 1957, am 17. Mai 2009 für 9,02 Millionen Euro im italienischen Maranello versteigert. In Pebble Beach hingegen musste der reiche Oldtimer-Liebhaber zwei Jahre später für den Superschönling bereits umgerechnet rund 12,26 Millionen Euro lockermachen (siehe Tabelle): Damit hat sich der Wert der Rennikone binnen zwei Jahren um fast 36 Prozent erhöht.

Die Ergebnisse der Auktion von Pebble Beach

Baujahr Modell Auktionserlös in $
1957 Ferrari 250 Testa Rossa 16 390 000
1931 Duesenberg Model J Murphy Coupé 10 340 000
1927 Mercedes-Benz S-Type 26/180 Sportwagen 5 040 000
1959 Ferrari 250 GT LWB California Spider 3 355 000
1957 Ferrari 410 Superamerica Pinin Farina 2 970 000
1963 Shelby Cobra Factory Team Car 2 585 000
1953 Ferrari 375 America Coupé 2 200 000
1953 SIATA 208 S Spider 1 567 500
1932 Alfa Romeo 6 C 1750 Gran Sport Spider 1 540 000
1966 Ferrari 275 GTB Alloy 1 540 000
1932 Duesenberg Model J Dual Cowl Phaeton 1 540 000
1964 Porsche 904 Carrera GTS 1 210 000
Quelle: Gooding & Company


Geldanlage in Sachwerten

Kein Wunder, dass Vermögende angesichts volatiler Aktienmärkte ihr Geld neben Gold und Kunst als Portfolio-Beimischung auch in Sachwerte wie Oldtimer stecken. Was jedoch keineswegs automatisch bedeutet, dass historische Leckerbissen auf vier Rädern nur etwas für die Haute Volée mit dicker Geldbörse sind. „Auch ausgesuchte erschwingliche Youngtimer werden immer teurer“, erklärt Marius Brune, Gesellschafter des Oldtimer-Spezialisten Classic Data in Bochum. Doch es braucht reichlich Know-how, um Oldtimer mit Potenzial herauszufischen.

Der Handel mit Oldtimern hat sich zu einem ansehnlichen Wirtschaftsfaktor entwickelt. Aktuellen Zahlen des Oldtimer-Weltverbandes FIVA zufolge werden in Europa jährlich 16 Milliarden Euro mit historischen Fahrzeugen umgesetzt. Hervorstechender Wesenszug des Oldtimer-Markts ist, dass er ohne große Schwankungen wächst.

Das attestiert auch der Deutsche Oldtimer-Index, kurz Dox. 2011 stieg er um 9,3 Prozent auf 1941 Zähler. Der Dox wird alljährlich zusammen vom Verband der Automobilindustrie und Classic-car-tax aus Castrop-Rauxel herausgegeben. Er umfasst 200 000 Gutachten und Bewertungen von 88 unterschiedlichen Fahrzeugtypen aus sieben Herstellernationen. Um eine Verfälschung durch extrem wertvolle Einzelstücke zu vermeiden, wurden im Index keinerlei Vorkriegsfahrzeuge berücksichtigt.

Aufsteiger im Dox ist der Mercedes-Benz 300 SL Flügeltürer. Er kletterte von Platz 21 im Jahr 2010 auf Platz fünf. Der von Schauspiel-Ikonen wie Tony Curtis und Top-Industriellen wie Alfried Krupp geliebte, nur 3000-mal mit Stahlkarosse gebaute Traumwagen fuhr 1957 erstmals aus den Werkshallen von Mercedes. Zum Marktstart verlangte Daimler für den Schönling 32 500 Mark – ein Wahnsinnsbetrag. Denn 32 500 Mark entsprechen heute kaufkraftbereinigt 116 025 Euro. Betrachtet man hingegen heutige Auktionserlöse für einen SL in Top-Zustand, sind die Zahlen noch astronomischer. Grund: Rund 700 000 Euro sind heute Liebhaber des Flügeltürers im Schnitt bereit, für diesen zu blechen. Experten zufolge entspricht dies einem Wertzuwachs binnen einem Jahr von 25 Prozent. Selbst abzüglich Steuer und Kfz-Versicherung nebst teuren Ersatzteilen ein sehr einträgliches Geschäft.

Liebhaberstücke müssen viele Auflagen erfüllen

Warum aber erzielen heute ein Mercedes 300 SL oder ein Ferrari 250 Testa Rossa solche Preise? Originalität, Makellosigkeit, lückenlose Dokumentation der Herkunft, kleine Stückzahlen, berühmte Vorbesitzer und Rennhistorie – das sind die Faktoren für gigantische Wertentwicklungen. Ein Beispiel: Der Ferrari 250 Testa Rossa wurde nur 34-mal gebaut. Von ihm existieren heute nur noch wenige in Top-Zustand. Zudem hat die erfolgreichste Baureihe der Renngeschichte unvergessene Siege davongetragen. Rennfahrer Paul Frère etwa gewann mit einem Modell 1960 das 24-Stunden-Rennen von Le Mans.

„Geschichte aber haben auch schon Youngtimer wie der DeLorean DMC-12 geschrieben“, sagt Brune. Nicht nur die „Zurück in die Zukunft“-Kinohits machte den von Giugiaro gezeichneten Sportwagen mit gebürsteter, unlackierter Edelstahlkarosserie weltbekannt. Zum (traurigen) Ruhm des DeLorean trug vielmehr sein Namensgeber John DeLorean bei. 1975 gründete der ehemalige GM-Manager die DeLorean Motor Company (DMC) und baute nahe Belfast die Produktion auf. Das Geld zur Firmengründung lieh sich DeLorean außer von der britischen Regierung von US-Showgrößen wie Sammy Davis jr.

Mit 20 000 Vorbestellungen im Orderbuch gab die DMC 1981 Gas – und musste 21 Monate später bereits die Produktion einstellen. Denn DeLorean ging das Geld aus. Am 20. Oktober 1982 schließlich meldete DMC Konkurs an. Bis dato wurden nur 9200 DMC-12 gebaut. Stückpreis damals: 25 000 Dollar. „Heute ist der Zeitreisende in gutem Zustand nicht unter 29 800 Euro zu haben“, bilanziert Brune. Tendenz: im Wert stetig steigend. Zumal ein Investor jetzt die Markenrechte der DMC gekauft hat, verbliebene Modelle restauriert und ihnen einen Elektroantrieb implantiert. Was die ursprünglichen DeLoreans mit 6-Zylinder-Benziner künftig noch wertvoller machen wird.


Wolf im Schafspelz

Auch Youngster mit technischen Rafinessen machen Furore. Bestes Beispiel: der Mercedes-Benz 500 E. Die Limousine hat es nämlich in sich. Sie wurde bei Porsche gebaut und ist ein wahrer Wolf im Schafspelz. Denn kaum einer käme auf die Idee, dass sich unter der Haube der braven Familienkutsche ein 320 PS starker V8-Motor verbirgt. Kein Wunder, dass die Wertentwicklung des Verkannten enorm ist: „War ein gut erhaltener E 500 im Jahr 2002 noch für rund 14 000 Euro zu haben, erzielt er heute unter Kennern rund 25 000 Euro“, bilanziert Brune. Binnen zehn Jahren macht dies ein Plus von fast 179 Prozent.

Wer sich für Oldtimer interessiert, sollte beim Kauf auf folgende Dinge achten:

► Lückenlose Dokumentation von Herkunft, Reparaturen und Wartungen: Wichtige Dokumente sind Kaufverträge, Original-Kfz-Brief und Wartungsheft. Und: Bei Restaurationen oder Neulackierungen sollte der Käufer unbedingt auf Fotos bestehen.
► Gutachten: Akzeptieren sollten Interessenten nur Gutachten von unabhängigen, auf die Marke/das Modell spezialisierte Fachleute/Werkstätten, die über eine langjährige Erfahrung im Markt verfügen und Oldtimer bereits selbst restauriert haben. Zu den renommierten Sachverständigen am Markt zählen etwa Classic Data, Olditax, die Dekra und der TÜV.
► Passt der Wagen zu mir? Diese Gretchenfrage lässt der Newcomer sich am besten von den Fanclub-Mitgliedern seines fokussierten Wunschmobils beantworten. Tipp: Die geballte Kompetenz der Clubs ist stets auf der Weltmesse für Oldtimer, der Techno Classica (21. bis 25. März 2012) in Essen, anzutreffen.
► Probefahrt: Beim Umstieg vom gewohnten Alltagswagen auf einen Oldtimer wird deutlich, was unverfälschtes Fahren ist. Der Motor ist laut, es riecht nach Schmieröl, die Windgeräusche sind ohrenbetäubend. Von Bremskraftverstärker kann keine Rede sein, und die Schaltung hakt. Auch reagiert die Steuerung sehr direkt und gnadenlos. Nur wenn sich der Käufer mit dem bislang Ungewohnten wirklich anfreunden kann, es herrlich findet, ist der Oldie das Richtige für ihn.
► Originalität: Neben Rarität, bahnbrechendem Design, kleinen Stückzahlen, bekannten Vorbesitzern und Rennsporthistorie bestimmt die Originalität den Marktwert. Nur wenn der Oldie in „unverbasteltem“ Zustand ist, hat er wirklich Wert und erzielt ansehnliche Renditen. Tipp: Einsteiger in die Szene können sich mit den Heften „Das Original“ aus dem Heel Verlag ein Bild machen, wie etwa ein Morgan oder Mercedes SL technisch und optisch auszusehen hat.
► Ersatzteile: Wie steht es mit der Versorgung? Wenn der Liebhaber seine Perle oft bewegen will, ist diese Frage essenziell. Denn Oldtimer unterliegen einem höheren Verschleiß und erfordern mehr Wartung. Wer sich etwa einen betagten Lancia zulegt, hat das Nachsehen. Handelt es sich hingegen um einen Mercedes oder Porsche, gewährleisten diese Premiumhersteller quasi eine lebenslange Garantie auf Ersatzteile, auch wenn das Besorgen einige Tage in Anspruch nehmen kann.
► Geld im Rücken: Wer Oldtimer kauft, muss mit hohen Reparatur- und Wartungskosten rechnen. Daher sollten Liebhaber alter Autos mindestens zehn Prozent des Kaufpreises dafür auf der hohen Kante haben.
► Zustand: Wer die Wahl hat, sollte stets zu dem Modell greifen, das sich im besten technischen und optischen Zustand befindet. Wer hier spart, legt letztlich drauf, denn: Höhere Verkaufspreise implizieren einen besseren Zustand. Wer sich fürs „Billigmodell“ entscheidet, muss dann bei den Restaurationen nachschießen.
► Parkgelegenheit: Was viele vergessen – vor den 1970ern gebaute Modelle haben keinen Rostschutz. An ihnen frisst daher neben dem Zahn der Zeit auch Feuchtigkeit. Zum Überwintern sollte der Oldie daher am besten in einer warmen, trockenen Tiefgarage stehen.

Mit folgenden Kosten müssen Oldtimer-Besitzer rechnen:

Steuer und Zulassungsarten

A) Historisches Kennzeichen (H)
Fakt ist: Oldtimer sind leider Umweltsünder. Aufgrund der sehr schlechten Abgaswerte müssten Nostaliker eigentlich pro 100 ccm Hubraum 25,36 Euro (Schadstoffklasse 00) jährlich für ihr mit Ottomotor angetriebenes Schätzchen an das Finanzamt überweisen – gäbe es nicht das so genannte H-Kennzeichen. Erfüllt der Oldie bestimmte Vorschriften, verlangt der Fiskus pauschal nur 191 Euro für Pkws und Lkws respektive 46 Euro für Zweiräder. Voraussetzung: Der Oldtimer wird laut Amtsdeutsch vorwiegend zur „Pflege des Kfz-technischen Kulturguts“ eingesetzt. Zudem muss er mindestens schon 30 Jahre auf dem Blech haben. Nicht zu vergessen: Ein amtlich anerkannter Sachverständiger, Prüfer oder Prüfingenieur von TÜV, Dekra, GTÜ oder KÜS attestiert dem Wagen einen Oldtimer-Status. Dabei untersucht der Fachmann, ob sich das Schmuckstück weitestgehend im Originalzustand befindet. Vorsicht! Ein schlechter optischer respektive technischer Zustand kann die Erteilung verhindern. Gut zu wissen: Mit dem H-Schild ist ein Befahren von Feinstaubzonen möglich. Auch gibt es keinerlei Einschränkungen für Fahrten ins Ausland.

B) Reguläres Kennzeichen
Ist der Oldtimer (Pkw und Lkw) jünger als 30 Jahre und das Schadstoffverhalten schlechter als Euro 1, schlägt das Finanzamt gnadenlos zu. Für Benziner kassiert es jährlich 25,36 Euro, für Selbstzünder ohne Rußpartikelfilter 38,78 Euro pro 100 ccm Hubraum. Durch den Einbau eines geregelten Katalysators oder Partikelfilters verbessert sich das Schadstoffverhalten, und damit sinkt der Steuersatz. Hauptuntersuchung und Abgasuntersuchung (AU) werden alle zwei Jahre fällig. Ausnahme: Vor dem 1. Juli 1969 zugelassene Oldtimer mit Benzinmotor beziehungsweise Dieselantrieb mit älterem Baujahr als 1. Januar 1977 brauchen keine AU. Und Motorräder? Sie werden jährlich mit 1,84 Euro je angefangenen 25 ccm Hubraum besteuert. Zweiräder bis 125 ccm Hubraum sind steuerbefreit.

Kfz-Versicherung

A) Haftpflicht
Die Tarife orientieren sich am Fahrzeugalter, wobei die Devise gilt: je älter das Mobil, desto günstiger die Prämie. Zusätzlich wird häufig die Motorleistung des Oldtimers herangezogen.

B) Voll- und Teilkasko
Hier spielen der aktuelle Marktwert und der Zustand des Fahrzeugs eine Rolle. Um diesen zu bestimmen, fordern die Assekuranzen vom Kunden ein sogenanntes Kurzgutachten, wie es zum Beispiel Classic Data, Olditax und die ADAC-Prüfzentren erstellen. Classic Data etwa verlangt für die grobe Inaugenscheinnahme des Oldies vom Kunden pro Gutachten 120 Euro. Wer hingegen ein ausführliches Gutachten (Prüfung auf Motorschäden, kaschierte Unfallschäden etc.) will, um seinen Oldtimer besser verkaufen zu können, muss 350 Euro zahlen. Ein Kurzgutachten empfiehlt sich auch für jene, die ihren Oldtimer nur haftpflichtversichern, denn: Bei unverschuldetem Schaden kann man so besser den Wert des Fahrzeugs in unbeschädigtem Zustand gegenüber der gegnerischen Versicherung darstellen.

C) Tarifierung
Wer mit seinem Oldie günstig fahren will, muss folgende Kriterien erfüllen:
► Das Fahrzeugalter sollte mindestens 20 Jahre betragen.
► Es muss zudem ein Alltagsfahrzeug (Pkw) vorhanden sein.
► Der Oldtimer muss einen gut erhaltenen Originalzustand vorweisen.

© 2018 Gerhard Hackl Mit freundlicher Unterstützung von HAKA Küche - www.haka.at. Haftungsausschluss | Impressum