Mobilien: Das Geld steht auf der Straße

Das Auto als Wertanlage ist ein schöner Traum. Tatsächlich ist das Spekulieren auf Altmetall voller Unwägbarkeiten. Gefragt sind Geld, Zeit und Glück. Zufallstreffer sind nie ausgeschlossen.

Niki Lauda, der bekanntlich nichts zu verschenken hat, mag sich bei der Erwähnung des Ferrari heute noch die Haare raufen (solche vorausgesetzt): Das Reizwort heißt 288 GTO. In seiner Biografie läuft das Auto als „Geschichte einer persönlichen Niederlage“. Da muss es sich um viel Geld handeln – verlorenes Geld.

Der Ferrari 288 GTO von 1986 war das erste einer Reihe von limitierten Sondermodellen mit historischen Zitaten, ein Vorläufer von F-40 und F-50. 270 Stück wurden gebaut, und noch eines extra für Herrn Lauda, der sich das Auto als Honorar für einen PR-Auftritt erbeten hatte. Lauda beteuert, nie eine Spekulation im Sinn gehabt zu haben. Und das ist glaubwürdig, denn er verkaufte entschieden zu früh. Lauda, wehmütig: „Der Amtsweg zum Anmelden schien kompliziert – kein Katalysator –, vom Benzinverbrauch war ich sowieso geschockt, die Kinder tapsten immer drauf, also: weg damit.“

Schmerzen nach der Hausse
An den erzielten 250.000 Dollar hatte der prominente Verkäufer keine lange Freude. Ein Jahr später starb Enzo Ferrari, und es begann die unglaubliche Hausse der Ferrari-Preise. Für den Lauda-GTO wären plötzlich vier Millionen Dollar nicht vermessen gewesen. Die Phantomschmerzen entgangener Einkünfte sind nachvollziehbar.

Mit dem Hype um rare Ferrari-Modelle begann vor 20 Jahren das große Spekulieren auf Altmetall. Es hält bis heute an. Der Markt hat zuweilen sagenhafte Blasen geworfen, Fremdfabrikate inbegriffen. Mit Überhitzung und schließlich Platzen als logischer Folge – wie ein Motor, der zu lange auf hohen Drehzahlen gefahren wird.

Verzweifelte Superreiche, die in der Spätphase des ersten Ferrari-Booms einem F-40 nachjagten und dafür bis weit über (umgerechnet) eine Million Euro berappten, haben sich zum Beispiel gründlich verkühlt. Der heutige Marktpreis für das Auto beträgt etwa 400.000 Euro – vielleicht unter Wert geschlagen, dennoch stagnierend.

Das kann nur noch ein Geschäft werden, wenn der Besitzer langen Atem beweist. Denn wo das Auto in zehn oder 20 Jahren stehen wird, weiß niemand. Die F-40-Aktie gilt eher wieder als Kandidat für einen Marsch nach oben. Es war das letzte Auto, das Enzo Ferrari präsentierte. Es war der letzte Ferrari mit Turbomotor. Es müssen jetzt bloß mehr Leute zur gleichen Zeit einen haben wollen, als am Markt Exemplare verfügbar sind.


Prickelnde Historie

Um auf die Liste möglicher Hype-Kandidaten zu kommen, sind limitierte Stückzahlen die Grundvoraussetzung. Stangenware ist etwas für den Gebrauchtwagenplatz. Nur seltene Sonderserien mit prickelnder Historie kommen für Höchstpreise und umtoste Auktionen infrage: prominente Vorbesitzer, ruhmreiche Renneinsätze, lang vergessene, in Kriegswirren verschwundene Prototypen.

Den Startschuss für Hypes liefert aber die Psychologie, das Momentum des Irrationalen. Wer 20 Millionen Euro für einen Ferrari 250 GTO bezahlt, wie unlängst geschehen, wird das kaum noch als raffiniertes Investment darstellen wollen. Das Auto kam gar nicht erst zur Auktion, der Deal lief von Sammler zu Sammler – Details unbekannt.

Allerlei Unwägbarkeiten disqualifizieren eigentlich Autos als Wertanlage mit hohen oder auch nur sicheren Gewinnaussichten. Doch wenn sich das Geld auf der Bank nicht mehr vermehrt, wenn Inflation einsetzt, Währungen unsicher werden, dann lockt das Blech, und sei es nur als Erweiterung des Portfolios. Ein englischer Investmentfonds hat sich Autos als Kapitalanlage ausgesucht: Mit dem Fondsvermögen wird auf Exoten spekuliert. Die Gruppe hat den Ferrari-Sammler Nick Mason (Ex-Pink-Floyd) als Aushängeschild engagiert. Doch die in Aussicht gestellten 15 Prozent Rendite haben sich nicht materialisiert (es waren im ersten Jahr sechs Prozent). Und als Investor ist man nicht einmal zu einer netten Wochenendausfahrt gekommen. Auch fad.


Emotion in der Garage
„Vergiss es“, bringt ein Wiener Sammler seine Einschätzung auf den Punkt. Autos seien ungeeignet für die Spekulation. Es gehe eher um Wertanlagen im vielschichtigen Sinn: „Wenn du vier Millionen Euro in einer Stiftung hast, dann rührt dich das auch nicht mehr. Emotion ist, was in der Garage steht. Was du angreifen kannst, was sich starten und fahren lässt.“

Wer es auf große Wertsteigerung abgesehen hat, muss unter Umständen jahrzehntelang warten können. „Das ist nichts, was Fonds und Bankertypen gefällt.“

Er rät Einsteigern zu jungen und irgendwie speziellen Autos, die gemeinhin als Youngtimer firmieren, die leistbar in der Anschaffung sind und eine gewisse Wertstabilität versprechen. So kann man sich an einem schönen Auto erfreuen, es durchaus im Alltag nutzen und nach einigen Jahren womöglich noch den ehemals gezahlten Preis erzielen. Viele Porsche-Fahrer haben den Kniff heraußen, wie man die Leidenschaft günstig finanziert. Die meisten Modelle des Stuttgarter Herstellers versprechen eine gute und ungefährdete Wertentwicklung. Weil das aber kein Geheimnis ist, liegt auch der Einstieg hoch.

Zufallstreffer sind nie ausgeschlossen. Manche Autos erfahren in kürzester Zeit extremen Wertzuwachs: Einen Lancia Stratos konnte man vor 14 Jahren um 240.000 Schilling bekommen. Heute ist er 120.000 Euro wert, erzählt uns einer, der ebenfalls zu früh verkauft hat. Es reicht nicht, derlei vorhersagen zu können. Man muss das Auto auch halten – und pflegen, warten, garagieren – wenn die Geschäfte weniger gut laufen. Gar fabelhaft wäre es, vom Opa einen Flügeltürer-Mercedes zu erben. Das Auto war immer schon teuer, doch heute lassen sich Preise um 350.000 Euro erzielen.

Fest steht, was ganz sicher kein gutes Geschäft ist: der Neuwagen. Kaum hat man den Hof des Händlers verlassen, kann man 30 Prozent des Wertes abschreiben. Frühestens in 20 Jahren mag es dann wieder bergauf gehen – vorausgesetzt, das Auto taugt zum Klassiker, und alle seine Besitzer waren nett zu ihm. Denn, wie einst Rallye-Legende Walter Röhrl sagte: „Man kann ein Auto nicht wie einen Menschen behandeln. Ein Auto braucht Liebe.“ [EPA]


Was Sie beachten sollten bei... Autos als Geldanlage

Tipp 1
Finger weg. Wenn Sie sich nicht für Autos interessieren, meiden Sie das Thema großräumig: Es gibt jede Menge Rosstäuscher. Nur Enthusiasten sind in der Lage, Zustand und Historie eines Autos – und damit die Chancen auf Wertsteigerung – korrekt zu beurteilen.

Tipp 2
Notgroschen tabu. Wer auf hohe Gewinne beim Wiederverkauf setzt, muss warten können.
Neuwagen sind in frühestens 20 Jahren als Klassiker gefragt. Wartung, Versicherung, Garage kosten.
Eine Havarie wäre fatal.

Tipp 3
Selten ist gut. Sonderserien, limitierte Auflagen, einst auf dem Markt gefloppte „Unverstandene“ – davon wollen Sammler hören. Auch die Hersteller selbst kurbeln mit „Limited Editions“ ihren Absatz an. Aber heben Sie auch Omas R4 auf, wenn er gut erhalten ist.
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