Mercedes Benz - Diesel-Personenwagen von 1949 bis 1980

1949 – Neuanfang mit dem 170 D
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs sind wirtschaftliche Automobile stärker denn je gefragt. Im Modell 170 D (Baureihe W 136) nimmt Mercedes-Benz wieder einen Vierzylinder-Pkw-Dieselmotor in die Modellpalette auf. Der Typ 170 entspricht weitgehend dem von 1936 bis 1942 gebauten Mercedes-Benz 170 V. In der 1949 präsentierten Diesel-Variante arbeitet der 1,8-Liter-Motor OM 636 I, ein Diesel-Reihenvierzylinder mit 28 kW (38 PS) bei 3200/min. Bereits 1950 stellt Mercedes-Benz einen modifizierten Antrieb vor, der nun 29 kW (40 PS) leistet; die Höchstgeschwindigkeit der Limousine steigt von 100 km/h auf 105 km/h.

Der erste 170 D wird am 1. August 1949 an seinen Käufer übergeben. In den folgenden Jahren entscheiden sich viele weitere Kunden aus Gewerbe und öffentlicher Hand, aber auch Privatleute für den ersten Mercedes-Benz Diesel nach dem Krieg. Von 1949 bis 1953 werden insgesamt 33.822 Einheiten des Modells gebaut, darunter auch Fahrgestelle und Halbtonner-Kastenwagen.

Neben dem Typ 170 gibt es auch vom 170 S, dem ersten Wagen der Sonderklasse von Mercedes-Benz nach dem Zweiten Weltkrieg, eine Variante mit Dieselantrieb. Dieser Mercedes-Benz 170 DS (Baureihe W 136 VIII D) kommt 1953 auf den Markt und wird bis 1955 gebaut. Ausgestattet ist der 170 DS mit dem 29 kW (40 PS) starken OM 636 VIII. Um den höheren Produktionspreis für diesen Dieselmotor gegenüber dem Benzinantrieb zu senken, wird der OM 636 in besonders großer Stückzahl gebaut und arbeitet daher nicht nur in den Modellen 170 D und 170 DS, sondern auch im Unimog. Außerdem verkauft die Daimler-Benz AG das Aggregat als Stationärmotor.


Nach dem Zweiten Weltkrieg schreibt Daimler-Benz die Erfolgsgeschichte des Diesel-Personenwagens ab 1949 mit dem Mercedes-Benz 170 D weiter fort.

1954 – Ponton-Mercedes mit Dieselmotor
Die Modelle 180 D (Baureihe W 120) und 190 D (Baureihe W 121) bringen den Dieselantrieb im Kleid des 1953 präsentierten Ponton auf die Straße: aerodynamisch optimiert und mit selbsttragender Karosserie. Der bekannte Motor mit 29 kW (40 PS) treibt den 180 D beim Debüt im März 1954 an, 1955 steigt die Leistung auf 32 kW (43 PS) bei 3500/min. 1958 stellt Mercedes-Benz dann den neuen Motor OM 621 vor. Als 1,9-Liter-Dieselmaschine leistet er im Modell 190 D 37 kW (50 PS) bei 4000/min, ab 1961 bringt er auch den 180 D mit 35 kW (48 PS) bei 3800/min voran. Von beiden Modellen werden insgesamt 235 000 Wagen gebaut.

Der Mercedes-Benz Ponton mit Dieselmotor geht auch in den Export nach Nordamerika. Um das Fahrzeugkonzept bekannt zu machen, unternimmt der Journalist Bill Carroll bereits 1954 eine Testfahrt quer durch die USA mit einem Mercedes-Benz 190 D. Solche Zuverlässigkeitsbeweise von Mercedes-Benz Dieselwagen gibt es immer wieder. Neben strapaziösen Fernfahrten sind es auch Rekorde und sportliche Spitzenleistungen, welche die Diesel-Geschichte von Mercedes-Benz prägen. So holen 1955 drei Mercedes-Benz 180 D den Klassensieg bei der Mille Miglia. Dass der Dieselantrieb für sportliche Leistungen gut ist, zeigt auch Mercedes-Rennleiter Karl Kling persönlich. Mit einem Typ 190 D gewinnt er 1959 die 14.045 Kilometer lange Afrika-Rallye von Algier nach Kapstadt. Die Durchschnittsgeschwindigkeit liegt bei 80,6 km/h.


Afrika-Rallye, 1959. Karl Kling und Rainer Günzler gewinnen mit einem Mercedes-Benz 190 D die Afrika-Rallye von Algier nach Kapstadt.

1961 – Heckflosse 190 D und 200 D
In der „Heckflosse“ (Baureihe W 110) emanzipiert sich der Diesel-Pkw weiter von seiner Herkunft aus dem Nutzfahrzeug: Noch heißt der 1961 präsentierte Zweiliter-Diesel 190 D. Doch als Mercedes-Benz 1965 den neuen Typ 200 vorstellt, wird der Selbstzünder analog dazu in 200 D umbenannt. Hubraum und Leistung (44 kW/55 PS bei 4200/min) bleiben gleich. Der Vierzylindermotor OM 621 erhält neben einer fünffach gelagerten Kurbelwelle eine bessere Schallisolierung als seine Vorgänger und bringt als schnell drehender Diesel den Wagen auf ein Spitzentempo von 130 km/h. Die Beschleunigung aus dem Stand auf 100 km/h dauert allerdings noch 28 Sekunden.

Von 1965 bis 1968 werden 159.365 Limousinen des Typs 200 D gebaut, dazu kommen außerdem die Kombi-Limousine 200 D Universal und der 200 D mit langem Radstand (3350 Millimeter statt 2700 Millimeter) und acht Sitzen. In der mittleren Baureihe von Mercedes-Benz hat sich der Dieselantrieb etabliert, das zeigen die Verkaufszahlen und die Differenzierung des Modellangebots in den späten 1960er-Jahren. Und Diesel-Pkw müssen längst nicht mehr spartanisch sein: Auf Wunsch sind die Selbstzünder-Modelle von Mercedes-Benz nun auch mit Automatikschaltung erhältlich.


Als der Mercedes-Benz 200 (Baureihe W 110) im Jahr 1965 auf den Markt kommt, wird die Diesel-Variante der Heckflosse ihrem Hubraum entsprechend auch in 200 D umbenannt.

1974 – Fünfzylinder-Diesel im „Strich-Acht“
In der Baureihe W 115 werden 1968 erstmals zwei neue Diesel-Modelle gleichzeitig vorgestellt, der 200 D und der 220 D. 1973 ergänzt der 240 D das Angebot, und im Juli 1974 erscheint dann als Spitzenmodell der 240 D 3.0. Das Modell wird vom weltweit ersten Fünfzylinder-Pkw-Dieselmotor angetrieben. Neu ist neben dem auf Basis des OM 616 entwickelten Motor selbst auch die Einspritzpumpe samt Regelung. Aus 3005 Kubikzentimeter Hubraum schöpft der OM 617, ausgelegt als Reihenfünfzylinder, 59 kW (80 PS) bei 2400/min und hat eine respektable Höchstgeschwindigkeit von 148 km/h. Mit einer Beschleunigung von null auf 100 km/h in 19,9 Sekunden ist das neue Diesel-Spitzen-modell aus Stuttgart der spurtstärkste und schnellste Diesel-Pkw der Welt, der durch Laufruhe und Wirtschaftlichkeit überzeugt. 53.690 Exemplare des 240 D 3.0 werden hergestellt, von der Baureihe W 115 werden insgesamt 945.206 Dieselfahrzeuge verkauft. Innovativ ist auch die Starttechnik für den Fünfzylinder-Diesel: Weil statt der mechanischen Abstellvorrichtung des 2,4-Liter-Motors nun eine pneumatische Einrichtung verwendet wird, kann das Aggregat mit dem Zündschlüssel ausgeschaltet werden. Auch das Anlassen der Maschine erfolgt beim 240 D 3.0 durch das Umdrehen des Schlüssels und nicht, wie bisher, durch Ziehen eines Hebels: Dreht der Fahrer den Zündschlüssel, wird der Vorglühvorgang eingeleitet und eine Kontrolllampe leuchtet auf. Wenn das Lichtzeichen nach einiger Zeit erlischt, kann der Motor mit dem Schlüssel normal angelassen werden. Was mittlerweile selbstverständlich scheint, wird 1974 als komfortable Neuheit geschätzt, die sich nach und nach bei allen Diesel-Pkw der Marke und auch darüber hinaus etabliert.


Weltweit der erste Fünfzylinder-Diesel in einem Pkw: Mercedes-Benz 240 D 3.0; Kurbelwelle des OM 617 D 30.

1976 – Vier Dieselmotoren für die Baureihe 123
Gleich mit vier Dieselvarianten geht 1976 das neue Modell der mittleren Baureihe an den Start. Der W 123 debütiert als 200 D, 220 D und 240 D mit Vierzylindermotoren und als 300 D mit dem Reihenfünfzylinder. Damit übernimmt Mercedes-Benz das komplette, höchst erfolgreiche Dieselprogramm des „Strich-Acht“ in das neue Modell. Für den Einsatz im W 123 werden die Motoren gründlich überarbeitet. Unter anderem erhalten sie neue Zylinderkopfdichtungen aus einem Material namens Ferrolastic®, außerdem werden der Ölwechsel vereinfacht, die Auspuffanlage verbessert sowie Öl- und Kraftstofffilter modifiziert. Angesichts der hohen Nachfrage nach Diesel-Modellen sowohl des neuen Modells als auch der Baureihe W 115 werden die Selbstzünder des „Strich-Acht“ noch ein Jahr lang parallel zum W 123 gebaut. Wie beliebt der Dieselantrieb mittlerweile längst ist, zeigt die Statistik: Die meistgekauften Limousinen der Baureihe 123 sind die Typen 240 D (448.986 Stück) und 200 D (378.138 Stück).

1977 – Ein Diesel-Coupé senkt den Flottenverbrauch
Im Herbst 1977 ergänzt der 300 CD als Diesel-Coupé die Baureihe 123. Die Motorisierung des Zweitürers entspricht mit dem 3-Liter-Fünfzylinder-Diesel OM 617 und einer Leistung von 59 kW (80 PS) bei 4000/min der Ausstattung der Limousine vom Typ 300 D. Allerdings wird der Diesel im eleganten Blechkleid ausschließlich für den nordamerikanischen Markt produziert. Ziel ist es, so den Flottenverbrauch der Mercedes-Benz Automobile auf dem Markt der USA und in Kanada zu reduzieren. Der Flottenverbrauch beschreibt den durchschnittlichen Treibstoffverbrauch aller Modelle einer Marke. Nach einer Vorgabe der US-Regierung muss bis zum Jahr 1985 der durchschnittliche Verbrauch aller in Nordamerika verkauften Modelle einer Automarke umgerechnet weniger als 8,55 Liter je 100 Kilometer betragen. Die Anzahl der je Modell verkauften Fahrzeuge spielt dabei keine Rolle. Denn berechnet wird der Flottenverbrauch allein durch Addition des Durchschnittsverbrauchs aller angebotenen Varianten, geteilt durch deren Anzahl. Innovative Konzepte wie der sparsame Dieselmotor im 300 CD machen sich in der Verbrauchsstatistik also deutlich bemerkbar.


Besonderes Coupé: Eigens für die USA baute Mercedes-Benz 1981 den Typ 300 CD Turbodiesel.

1977 – Ein Turbodiesel für die S-Klasse Besonderes Aufsehen erregt auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) 1977 ein weiteres Diesel-Modell, das Mercedes-Benz eigens für den amerikanischen Markt präsentiert: Der 300 SD ist die erste S-Klasse (Baureihe W 116) aus Stuttgart, die mit einem Selbstzünder ausgerüstet ist. Für angemessene Fahrleistungen in der Luxuslimousine sorgt ein Abgasturbolader, der die Leistung des aus der Baureihe 123 bekannten Fünfzylinder-Diesels auf 85 kW (115 PS) steigert.

Im Mai 1978 beginnt die Produktion des neuen Modells, das auf der US-Ausführung der Baureihe W 116 basiert. Der 3-Liter-Diesel ist mit einer Bosch-Einspritzpumpe und einem Garret-Abgasturbolader ausgestattet und sorgt für ordentliche Fahrleistungen der 1,8 Tonnen schweren Limousine: Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 165 km/h, von null auf 96 km/h (60 Meilen pro Stunde) rennt die Turbodiesel S-Klasse in 14 Sekunden. Mit dem bärenstarken 450 SEL 6.9 der Baureihe W 116 kann der Diesel-Cousin in seinen Leistungen zwar nicht mithalten. Dafür verbraucht er im Durchschnitt aber nur 14 Liter Diesel auf 100 Kilometer, während die S-Klasse mit dem V8-Motor M 100 auf der gleichen Strecke nach 22 Liter Super verlangt – was allerdings ein durchaus üblicher Verbrauch der damaligen Zeit ist.


Der 300 SD ist die erste S-Klasse (Baureihe W 116) aus Stuttgart, die mit einem Selbstzünder ausgerüstet ist.

1980 – Turbodiesel in der Baureihe 123
Die amerikanischen Grenzwerte für den Flottenverbrauch werden Ende der 1970er-Jahre weiter verschärft. Daher löst Mercedes-Benz 1981 die Coupés 300 CD und 280 C der Baureihe 123 durch den neuen 300 CD Turbodiesel ab und bietet außerdem parallel die Limousine 300 D Turbodiesel an. Während diese neuen Modelle wieder dem nordamerikanischen Markt vorbehalten sind, wird der 1980 vorgestellte Mercedes-Benz 300 T Turbodiesel auch in Deutschland verkauft. Er trägt wie Limousine und Coupé den 3-Liter-Reihenfünfzylinder unter der Haube, aufgeladen von einem Garrett-Abgasturbolader. Nach seinem Debüt in der S-Klasse leistet das Aggregat nun 92 kW (125 PS) bei 4350/min und ist gut für 165 km/h Höchstgeschwindigkeit und eine Beschleunigung von null auf 100 km/h in 15 Sekunden. Insgesamt 28.219 Exemplare des ersten Mercedes-Benz Turbodiesel-Pkw für den deutschen Markt werden von 1980 bis 1986 verkauft.

Mit den Turbodiesel-Modellen der Baureihe 123 kehrt der aufgeladene Selbstzünder zurück an seinen Anfang in den Versuchswerkstätten von Mercedes-Benz. Denn der erste von den Stuttgarter Ingenieuren entwickelte Turbodieselmotor mit 132 kW (180 PS) Leistung wird für Testfahrten in ein 123er-Fahrgestell eingebaut. Nach erfolgreichen Versuchen mit dem Prototyp fällt die Entscheidung, das Konzept weiter zu verfolgen und einen Fünfzylinder-Turbodiesel für die S-Klasse zu entwickeln. Mercedes-Benz 300 D Turbodiesel


Kraftpaket: Der Mercedes-Benz 300 D Turbodiesel hat einen Turbodiesel-Motor mit drei Liter Hubraum, hier als Exportmodell für Nordamerika.
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