London to Brighton Veteran Car Run

484 Veteranen trotzten dem britischen Wetter


Panhard et Levassor von 1901 - Start im Londoner Hyde Park

Nach drei sonnigen Jahren mussten die Teilnehmer in diesem Jahr beim London to Brighton Veteran Car Run (LBVR) besonders tapfer sein: Strömender Regen, scharfer Wind und beißende Kälte schlugen den knapp 500 Veteranen auf ihrer 60 Meilen langen Fahrt von London nach Brighton entgegen.

Alljährlich feiern die Briten die Befreiung des Automobils. 1896 wurde der Red Flag Act abgeschafft, der vorschrieb, dass vor jedem Automobil eine Fahne geschwenkt werden musste. 33 Fahrzeuge fuhren damals aus Freude über den Sieg von London nach Brighton.

Und dieses Ereignis wiederholte sich 2009 zum 76. Mal. 484 Veteranen aus der Frühzeit des Automobils starteten am 1. November im Hyde Park in London – alle bis maximal Baujahr 1905, eine Grundvoraussetzung für die Teilnahme. Das typisch britische Wetter machte es ihnen in diesem Jahr besonders schwer, waren doch die Insassen in den offenen Wagen dem strömenden Regen und dem beißend kalten Wind zwei Tage lang ausgesetzt. Da hieß es sich dick einpacken und durchhalten. So wie Stirling Moss etwa, der in einem Panhard et Levassor von 1903 unterwegs war, wie auch Nick Mason, der noch im Sommer in den Auto Union Rennwagen einige PS mehr unter der sich hatte.

Nicht alle kamen an: Das Wetter machte nicht nur den Menschen, sondern auch den Maschinen zu schaffen. Immerhin 375 Veteranen überfuhren nach 60 Meilen die Ziellinie im britischen Seebad Brighton in der geforderten Zeit, angefeuert von 250.000 Zuschauern an der Strecke.

Zu ihnen gehörte der älteste Teilnehmer, der 85jährige Sir Freddie Sowrey auf einem Darracq von 1901, und der jüngste, der 17jährige Rowan Lawson, der das Familienerbstück, ein M.M.C. von 1902, steuerte – inklusive dem L-Schild für Anfänger am Wagen und dem Vater auf der Beifahrerseite


Sir Ray Tindle, Chef des Sponsors Tindle Newspapers, meinte nach der Ankunft in seinem offenen Speedwell von 1904: „In den 46 Jahren, seit ich am London to Brighton Run teilnehme, war das das mieseste Wetter, das wir je hatten.“ Ähnlich sah das auch John Dennis. Der dienstälteste Teilnehmer war zum 50. Mal dabei, in einem Wagen, den sein Großvater 1902 gebaut hatte.

Stolze Gewinner: die Kanadier John und Robert Brooks auf einem Oldsmobile Runabout aus dem Jahre 1902.

Das schlechte Wetter hatte auch eine positive Folge: eine immense Medien-Berichterstattung. Fotos der dem strömenden Regen trotzenden Fahrer und ihrer Veteranen fanden sich am folgenden Tag in allen großen Zeitungen des Landes, wie dem Daily Telegraph, der Daily Mail, dem Independent, der Sun und sogar auf der Titelseite der Times.

Regen und Kälte machten die Leistungen der Teilnehmer nur noch größer und zeigten um so deutlicher ihren Enthusiasmus. 2009 wird der LBVR als „the great blow“ in die Geschichte eingehen, meinte Veranstalter Roger Etcell zu dem Wetter. Und hofft auf ein besseres im nächsten Jahr, wenn die Briten am 7. November 2010 zum 77. Mal die Befreiung vom Red Flag Act feiern.

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