Ur-Lloyd LP 300 von 1950 Wer den Tod nicht scheut fährt Lloyd


Das Foto zeigt den Ur-Lloyd LP 300 von 1950. Seine Karosserie bestand aus mit Kunstleder überzogenem Holz.

Am beeindruckendsten war das Blech. Seine Qualität, seine Widerstandsfähigkeit. Optimal unter Beweis gestellt anlässlich eines wüsten Unwetters im Jahre 1970, das der erschreckten Menschheit handtellergroße Hagel-"Körner" bescherte, wunderschöne Naturgebilde, aber vehement.

Ein Mercedes "strich acht" litt sichtlich darunter: Dellen allenthalben. Besitzer Hans W., Metzgermeister, Gast- und Landwirt, war sauer. Umso mehr, weil es den viel belächelten Kleinen nicht erwischt hatte. Genauer gesagt: erwischt schon, aber nicht beschädigt.

Denn der Lloyd Alexander TS hatte standgehalten - das elfenbeinfarben lackierte Dach ebenso wie der dunkelblaue Rest der Karosserie - keine einzige Schramme.

Vater war stolz. Der Rest der Familie auch. Einmal mehr hatte das sehr überschaubare, aber unverwüstliche Wägelchen bewiesen, wie hoch seine Fertigungsqualität war. Nie hat es uns im Stich gelassen. Unbeirrbar, sommers wie winters lief es, ohne Murren, ohne Mucken.

Nie neben der Spur

Klar, auf der Autobahn war die ganz rechte Fahrspur Pflicht, mit 25 PS aus 600 ccm Hubraum, verteilt auf zwei Zylinder. Dennoch kamen wir vom Fleck - und sahen nicht allzuselten bedeutend größere Automobile noch mal rechts von uns - auf der Standspur, mit Panne oder Kollaps.

Uns ist das nur einmal passiert, wegen eines Reifenschadens, und auch nicht mit dem Alexander TS, sondern mit einem seiner beiden Vorgänger. An die kann ich mich nicht mehr so recht erinnern. An den TS sehr wohl, begleitete er uns doch bis in die frühen 70er hinein, um dann von einem 124er Fiat abgelöst zu werden. Aber das ist eine andere Geschichte.

Beeindruckend auch das Lloydsche Motorengeräusch: beim Anlassen fröhlich aufmunternd, um dann in ein unverwechselbares, fast stoisches Wimmern überzugehen, bevor der erste der vier (synchronisierten!) Vorwärtsgänge per Schaltstock an der Lenksäule eingelegt wurde. Der Sound eines luftgekühlten Viertakt-Zweizylinder-Benzin-Motors mit - alle Achtung! - oben liegender Nockenwelle (engl. Fachbezeichnung: ohc). Der gehörte zu dem Auto wie die per Rändel-Schraubrad mühsam, aber stufenlos zu verstellenden, durchaus bequemen Kunstleder-Vordersitze, das gepolsterte Armaturenbrett und die Falttaschen in den nach vorne öffnenden zwei Türen. Quell großer Begeisterung: das aufpreispflichtige Stahlschiebedach - im Kontrast zu den meisten Faltdächern, die damals en vogue waren, eine sehr solide Institution.

Eine Heizung gab es auch, die musste extra bezahlt werden, obwohl dem Vernehmen nach kein Alexander TS ohne sie ausgeliefert wurde; sie verbreitete einen leicht muffigen Geruch, der indes zumindest im Winter stets willkommen war: Es wurde dann bald behaglich warm.

zurück
© 2018 Gerhard Hackl Mit freundlicher Unterstützung von HAKA Küche - www.haka.at. Haftungsausschluss | Impressum