Ferry Porsche - ein Sohn der seinen Weg gefunden hat


Ferry Porsche (1909-1998) mit den ersten Porsche-Sportwagen 356, 1954.
Söhne berühmter Väter haben es bekanntlich nicht leicht, ihren eigenen Lebensweg zu finden. Noch schwerer ist es für sie, in die Fußstapfen des Vaters und aus dessen Schatten heraus zu treten.

Der Sohn des Automobilkonstrukteurs Ferdinand Porsche hat es geschafft. Die Erfolgsgeschichte der heutigen Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG ist ohne das Lebenswerk von Ferry Porsche nicht denkbar. Unter seiner Führung wurde aus dem Konstruktionsbüro seines Vaters Ferdinand ein selbstständiger Automobilhersteller, der 1948 mit dem Typ 356 den ersten Sportwagen mit dem Namen Porsche vorstellte. Am 19. September 2009 wäre Ferry Porsche 100 Jahre geworden.
Vor 100 Jahren, am 19. September 1909, wurde Ferdinand Anton Ernst Porsche in Wiener Neustadt, Österreich, geboren. Seinen lebenslangen Rufnamen erhielt er von seinem Kindermädchen: Sie nannte ihn als Erste “Ferry”. Zusammen mit seiner fünf Jahre älteren Schwester Louise wuchs Ferry Porsche in einem behüteten Elternhaus auf, in dem das Thema Automobil den Lebensmittelpunkt bildete.

Stundenlang hörte er seinem Vater stundenlang zu, wenn dieser über Automobile und Rennen sprach. Die Welt der Maschinen beigeisterte ihn und so wurde das benachbarte Austro-Daimler-Werk, in dem sein Vater als Chefkonstrukteur arbeitete, wurde zum bevorzugten Aufenthaltsort des Jungen.

Ferry und Louise Porsche im Alter von 6 und 11 Jahren


Ferry mit seinem Austro-Daimler Kinderautos.

Im Alter von zehn Jahren erhielt Ferry zu Weihnachten sein erstes Auto, familienintern “Ziegenbockwagen” genannt. In der Lehrlingsabteilung ließ der Vater 1919 einen kleinen Zweisitzer mit einem luftgekühlten Zweizylinder-Viertaktmotor und Zweigang-Getriebe montieren, der stolze 60 Stundenkilometer erreichte. Zwar hatte das Wägelchen kein Kennzeichen und der Fahrer erst recht keinen Führerschein, doch bei den ausgiebigen Fahrten auf öffentlichen Straßen drückte die Polizei „aufgrund der Stellung meines Vaters beide Augen zu”, wie Ferry Porsche später bekannte.
Ein Höhepunkt der frühen Jugendjahre waren die Fahrten im Austro-Daimler-Rennwagen “Sascha”, den er 1922 in Wiener Neustadt auf der Werks-Einfahrbahn steuern durfte. Von diesem 45 PS starken und bis zu 144 Kilometer schnellen Targa-Florio-Siegerwagen war der Zwölfjährige so begeistert, dass er sich fest vornahm, sich bald seinen eigenen Rennboliden zu bauen.

Ferry Porsche, dahinter sein Vater, beim Riesrennen 1922

Vater und Sohn 1934

1923 wechselte der Vater zu Daimler und die Familie zog nach Stuttgart. Das neue Domizil der Familie wurde zu einem Zentrum im Leben von Ferry Porsche, in dem Automobilgeschichte geschrieben werden sollte. Wie schon zuvor in Wiener Neustadt ließ Ferdinand Porsche seinen Sohn auch in Stuttgart an seiner Arbeit teilhaben. Dank einer Sondergenehmigung erhielt Ferry Porsche mit nur 16 Jahren einen Kraftfahrzeugführerschein und durfte fortan alle Prototypen fahren, die sein Vater aus dem Daimler-Werk in Untertürkheim mit nach Hause brachte.


Seit der Gründung des Konstruktionsbüros 1931 begleitete er von Beginn an alle Projekte und Auftragsentwicklungen der Porsche GmbH. In einem Umfeld von hochkarätigen Ingenieuren lernte Ferry Porsche rasch und entwickelte sich in kurzer Zeit vom Praktikanten zum Junior-Chef. Ferdinand Porsche förderte und forderte den Sohn, dem er 1935 die Leitung der Fahrerprobung des VW-Käfers übertrug und den er 1938 zum Leiter seiner Versuchsabteilung ernannte.


Ferry Porsche 1936 am Steuer des Volkswagen-Prototypen (V2) in Tübingen

Ferry Porsche auf dem Hof des Porsche-Werks
in Zuffenhausen, 1968

Während der Kriegsgefangenschaft seines Vaters übernahm Ferry die Gesamtverantwortung und führte das Unternehmen durch die Wirren der frühen Nachkriegsjahre. Als der Vater zurückkehrte und den komplett unter der Regie des Sohnes entwickelten Cisitalia-Rennwagen betrachtete, war sein Kommentar: „Keine schraube hätte ich anders gemacht.“

Dieser väterliche „Ritterschlag“ zeigte deutlich, dass der Sohn auf dem richtigen Weg war. Und zwar auf seinem eigenen. Als Ferdinand Porsche 1951 starb, war Ferry Porsche bereits dabei, aus der kleinen Firma einen der bekanntesten Sportwagenhersteller zu erschaffen.


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